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Mozart ist am 12. Mai 2012 in Hachelbich geboren und hieß zunächst „Emir vom Pudelkönig“.

Seine Züchterin Kathleen Kuhnert ist eine hochdekorierte Kynopädagogin, die sich seit 1994 professionell in der Familien-, Sport- und Diensthundeausbildung verdient gemacht hat.
Sie hat den Wurf von 11 Welpen zweier Therapiehunde sorgsam geprägt und aufgezogen und unseren Junghund zunächst nach Graz abgegeben. Dort erhielt Mozart seinen jetzigen Namen, aber  das Zusammenleben von Familie, Welpe und vorhandener Katze funktionierte wohl nicht wie geplant.
So kam Mozart nach Thüringen zurück und zog im September nach vielen Telefonaten, sorgsamen Gesprächen über die Zukunft von Mensch und Hund und Kennenlernen der Familie nach Ellrich. Es folgten viele Stunden Training zu Hause, unterwegs und in der Hundeschule in Hachelbich bis wir im Februar 2013 unser Familienbegleithundzertifikat in den Händen hielten.

Da Frau Kuhnert sich nun in kürzester Zeit einen überregional guten Ruf in der Zucht und Ausbildung von Therapiehunden erarbeitet hat und Mozart sich eignet, sind Mozart und ich weiterhin bei ihr in Ausbildung und arbeiten für den Therapiehund-Titel.

Therapiehunde sind schon seit dem 9. Jahrhundert belegt.
Seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts gibt es umfangreiche Untersuchungen der US-Armee bei posttraumatischen Belastungstörungen und Publikationen, wie die des New Yorker Kinderpsychotherapeuten Levinson 1962 mit dem Hund als Brücke zur Kommunikation.
Aktuell werden Hunde bei Seminaren zur Burnout- Prophylaxe, bei neurologisch-psychiatrischen Krankheitsbildern, z.B. in der neurologischen Rehabilitation, bei Sprachstörungen, Spastiken, Demenz, Depressionen und Schizophrenie eingesetzt. Sogar positive Effekte auf das Überleben von Herzinfarktpatienten sind bekannt.

Hintergrund für die positiven Wirkungen sind wohl die Aktivierung von Spiegelneuronen für oftmals experimentell nachgewiesene emotionale und stressmindernde Effekte. Dass der Hund unmittelbar auf Stimmungen und Verhalten des Menschen reagiert, kann im Sinne einer Spiegelung für eine verbesserte Selbstwahrnehmung genutzt werden. Der Körperkontakt mit dem Tier löst ebenfalls Veränderungen von vegetativen Parametern aus und so ist es vermutlich ein komplexes Zusammenspiel bio-psycho-sozialer Faktoren, das positive Effekte durch die Therapiehunde erklären kann. Ein anderer Ansatzpunkt ist das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Angenommen-sein. Dazu besitzen Hunde offenbar mehr als andere Tiere die Fähigkeit, menschliche Mimik und Gestik zu verstehen, was auf eine Art „emotionaler Co-Evolution“ von Mensch und Hund zurückzuführen ist, die sich im Laufe von Jahrtausenden des Zusammenlebens vollzogen hat.

In Studien ist 1929 erstmals ein blutdrucksenkender Effekt durch das Streicheln von Hunden gezeigt worden. Im Jahr 1983 zeigten Katcher et al. diesen Effekt erneut. Später untersuchten Friedmann et. al. umfassend Veränderungen von systolischem und diastolischen Blutdruck, Blutfetten und Hautleitungswiderstand durch den Umgang mit bzw. das Berühren von Hunden. Eine Japanische Studie untersuchte Veränderungen der Hirnaktivität während des Hundekontaktes durch Messungen präfrontaler Aktivität, um Effekte der tiergestützten Therapie darzustellen – mit unterstützenden Schlussfolgerungen für eine Wirksamkeit der Tiergestützten Therapie.

Seit den 80er Jahren wurden wiederholt bestimmte vegetative Parameter und neurohumorale Marker nach verschiedenen Arten des Kontaktes zwischen Mensch und Hund gemessen. Hierbei wurden signifikante Erhöhungen von β‑Endorphinen, Oxytozin, Prolaktin, β‑Phenylethylamin, Dopamin, Cortisol und eine nachfolgende Senkung des Blutdruckes festgestellt. Die Senkung des mittleren arteriellen Blutdrucks wurde dabei häufig als auslösendes Moment für die Blutabnahme gewählt. Die meisten Parameter verändern sich gleichsinnig bei den beteiligten Hunden– allerdings konnte Odendaal eine signifikante Oxytozinausschüttung nur nachweisen, wenn diese mit ihren Besitzern interagierten. In der Konstellation unbekannter Mensch/Hund reagierten nur die Menschen mit einer deutlichen Entspannungsreaktion. Bei den Therapiehunden erfolgte keine Absenkung des Cortisolspiegels, was vermutlich durch die Anforderungen an das Verhalten des Hundes (Stillstehen, Zuwendung zur fremden Person) zu erklären ist. Aktuell führen die Uniklinik Freiburg, das Institut für tiergestützte Therapie und die Pädagogische Hochschule Freiburg gemeinsam eine Studie über die Wirkung von Hunden bei Stressbelastung durch.

Natürlich gibt es Grenzen...

Unseren Mozart werden Sie, wenn Sie es nicht ausdrücklich an der Rezeption ablehnen, wohl im Sprechzimmer treffen. In die Labore wird auch unserem nicht-haarenden Pudel der Zutritt verweigert. Dort wollen wir Injektionen und Verbandwechsel durchführen, in denen eine Hundenase nicht nur stört, sondern hygienisch bedenklich ist. In die von uns betreuten Pflegeheime kommt Mozart zu Hausbesuchen gern mit und wird dort begeistert empfangen. Er lässt sich mit Begeisterung streicheln und bei unseren betagten Patienten kommen Erinnerungen an vergangene, manchmal bessere Tage auf. Auch Kinder nehmen den Hund in der Sprechstunde oft gern an. Süßigkeiten werden in den vorbereiteten Gläsern vergessen, weil die Verabschiedung und das Streicheln von Hund interessanter ist. So verfliegt manchmal sogar die Angst vorm Arzt. In Erinnerung bleibt weniger das Holzstäbchen und das Otoskop als die Streicheleinheit fürs Riesen-Kuscheltier.